Entzündungen an Barriereorganen (Haut, Lunge, Darm) sind ein zentrales medizinisches Problem vieler Zivilisationskrankheiten wie Asthma oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Neben diesem direkten Krankheitsbezug wird es zunehmend offensichtlicher, dass Barriereprobleme an einer Vielzahl anderer entzündlicher (z.B. koronare Herzerkrankung) oder maligner (z.B. colorektales Karzinom) Erkrankungen beteiligt sind. Entsprechend ihrer Bedeutung unterliegt das funktionelle Potential von Barriereorganen einem erheblichen evolutionären Selektionsdruck, der sowohl das genetische Potential als auch die Genvarianten des Menschen geformt hat. Zur Verbesserung der interdisziplinären Erforschung von Barriereerkrankungen hat der Cluster INFLAMMATION AT INTERFACES (Entzündung an Grenzflächen) die Forschung an fünf Fakultäten der Universitäten Kiel und Lübeck und am Forschungszentrum Borstel, Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften, restrukturiert.
Bei der Erforschung von Entzündungsprozessen setzen die Clusterforscher auf einen ganzheitlichen Ansatz: Sie wollen Entzündungen an Grenzflächen von Anfang bis Ende umfassend verstehen, von der genetischen Varianz bis zur unterschiedlichen Ausprägung beim Menschen. Dabei nutzen sie das ganze Spektrum an Expertise, das die beteiligten Forschungsinstitutionen bieten. Molekularbiologen erforschen genetische Prädispositionen, Strukturbiologen klären die Beziehung zwischen Struktur und Funktion von Molekülen auf. Biologen und Immunologen untersuchen die molekularen Mechanismen der Entzündung in Zellkultur und Tiermodellsystemen.
Praktisch wird die hoch spezialisierte medizinische Betreuung der Betroffenen chronischer Entzündungen in den Spezialambulanzen des „Exzellenzcluster“ umgesetzt, im „Exzellenzzentrum Entzündungsmedizin“ an den Standorten Kiel und Lübeck des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.
Der Forschungsschwerpunkt Lebenswissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel nimmt seine gesellschaftliche Verantwortung sehr ernst. So hat er in einer außergewöhnlichen Kooperation mit der Kieler Muthesius Kunsthochschule eine Bildsprache der Entzündung entwickelt, die es ermöglicht komplizierte wissenschaftliche Informationen allgemein verständlich zu kommunizieren.